Dietmar Brauer, Stellvertretender Vorsitzender der Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e. V. (UFOP), Berlin
Mit jährlichen Absatzsteigerungen von rund 50 Prozent gehört Rapsöl zweifelsohne zu den erfolgreichsten Produkten im deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Sein Marktanteil liegt mittlerweile bei rund 8 Prozent*. Damit ist Rapsöl in der Gunst der Verbraucher an Distelöl vorbeigezogen und liegt auf Platz vier der meistverkauften Speiseöle – hinter Sonnenblumenöl, Pflanzenöl und Olivenöl.
Der Hauptgrund für die verstärkte Nachfrage ist das nahezu ideale Fettsäurenmuster von Rapsöl. War es früher in erster Linie die einfach ungesättigte Ölsäure, die Rapsöl die Einstufung als ernährungsphysiologisch wertvolles Öl eingebracht hat, ist es heute sein gesamtes Fettsäurenmuster. Der hohe Gehalt an alpha-Linolensäure und das günstige Verhältnis von Omega-6-Fettsäuren zu Omega-3-Fettsäuren machen Rapsöl einzigartig. Studien haben gezeigt, dass das Risiko von Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen gemindert werden kann, wenn diese beiden Fettsäurenfamilien in einem ausgewogenen Verhältnis aufgenommen werden.
Die Vielseitigkeit des wichtigsten heimischen Pflanzenöls hat die Ernährungsindustrie bereits vor langer Zeit erkannt. Deshalb ist Rapsöl seit Jahren einer der wichtigsten Rohstoffe bei der Herstellung von Lebensmitteln. Neu ist, dass wegen seiner hohen ernährungsphysiologischen Qualität auch auf Verarbeitungsprodukten Rapsöl als Zutat ausdrücklich deklariert wird. Die Unternehmen der Ernährungsindustrie gehen heute sogar noch einen Schritt weiter. So hat die CMA Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft mbH jüngst ein Rapsöl-Siegel ins Leben gerufen, das an Hersteller vergeben werden kann. Namhafte Hersteller von Feinkosterzeugnissen gehören zu den ersten Unternehmen, die das Signet zur Kennzeichnung von Rapsöl nutzen und so deutlich auf den wertvollen Bestandteil hinweisen.
Die Rapszüchtung hat bereits in den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts den Grundstein für den heutigen Erfolg unseres wichtigsten heimischen Pflanzenöls gelegt. Damals ist es gelungen, das Fettsäurenmuster des Rapskorns maßgeblich zu verändern. Das aus dem Raps gewonnene Speiseöl zeichnet sich bis heute durch sein aus ernährungsphysiologischer Sicht optimales Fettsäurenspektrum aus. Rapsöl, dass kann man sicherlich sagen, ist heute ein echtes Allroundöl.
Ein Blick in die Zukunft zeigt, dass Rapsöl auf dem Weg ist, auch in ganz spezifischen Nischen Fuß zu fassen, die modifizierte Fettsäuremuster erfordern.
So wären beispielsweise Rapssaaten mit einem noch höheren Gehalt an der wertvollen alpha-Linolensäure eine optimale Ergänzung. Sie könnten die Ausgangsbasis für ein kaltgepresstes Rapsöl sein, das über die Anwendung in der kalten Küche die Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren noch deutlich erhöhen würde. Darüber hinaus arbeiten die deutschen Rapszüchter aber auch seit geraumer Zeit mit verschiedenen Partnern aus Forschung und Ernährungsindustrie daran, die so genannten Fischöle in den Raps zu transferieren. Damit könnte es gelingen, die Versorgungslücke an langkettigen Omega-3-Fettsäuren zu schließen und gleichzeitig eine nachhaltige und ökologisch sinnvolle Quelle zu erschließen.
Ein Rapsöl würde über eine ausgezeichnete Fähigkeit zur Langzeiterhitzung verfügen, wenn es einen extrem hohen Gehalt an einfach ungesättigter Ölsäure und einen reduzierten Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren besitzt. Wegen des hohen Rauchpunktes und der guten Stabilität wäre ein solches Hoch-Ölsäure-reiches Rapsöl ideal für den Einsatz im Hochtemperaturbereich in der Ernährungsindustrie, dem Ernährungshandwerk, der Gemeinschaftsverpflegung sowie der Schnellgastronomie. Daneben gibt es noch eine ganze Reihe weiterer spannender Forschungsgebiete wie z. B. eine Erhöhung des Vitamin-E-Gehaltes oder auch eine mögliche Nutzung des Rapseiweißes für die menschliche Ernährung. Die Erfolgsstory des Rapsöls ist also noch lange nicht beendet. Ganz im Gegenteil. Rapsöl wird auch zukünftig in aller Munde sein.
*Quelle: CMA/ZMP-Rohdatenanalyse auf Basis des GfK-Haushaltspanels