Berlin, 4. August 2006 - Meldungen über massives Auftreten des Rapsglanzkäfers sowie teilweise deutliche Minderwirkungen bei Bekämpfungsmaßnahmen mit den bislang ausschließlich zugelassenen Pyrethroidwirkstoffen haben in den letzten drei Monaten die Diskussion um den Rapsanbau in Deutschland mitbestimmt. Um Daten und Erfahrungen aus der Saison 2006 auszuwerten sowie Bekämpfungswege für die Anbausaison 2007 aufzuzeigen, fand am 1./2. August 2006 auf Einladung der Biologischen Bundesanstalt (BBA) Braunschweig ein Fachgespräch Raps statt. Eingebunden waren neben den Pflanzenschutzdiensten der Bundesländer und dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) Vertreter von Pflanzenschutzmittelindustrie, Rapszüchtung sowie Deutschem Bauernverband e.V. (DBV) und Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e. V. (UFOP).
Hauptergebnis des BBA-Fachgespräches war die Erarbeitung einer Strategie für eine wirksame Bekämpfung des Rapglanzkäfers in der Saison 2007 und einer Resistenzmanagement-Strategie für die Rapsschädlingsbekämpfung ab der Saison 2007.
Aufgrund der Daten aus dem Anbaujahr 2006 – verbreitet teilweise deutliche Minderwirkungen bei Pyrethroidspritzungen im Feld und massives Jungkäferauftreten – ist auch 2007 ein starkes Rapsglanzkäferjahr sowie eine weitere Ausbreitung der Phyrethroidresistenz nicht auszuschließen. Um wirtschaftliche Schäden im Rapsanbau abzuwenden, sind daher künftig alternierende Bekämpfungsmaßnahmen mit resistenzbrechenden Wirkstoffen erforderlich. Hierfür kommen für die Saison 2007 sowohl Mittel aus der WirkstoPM_ffgruppe der Neonicotinoide, Phyrethroide der neuen Generation und organophosphorsäurehaltige Produkte in Frage. Die Teilnehmer am Fachgespräch stimmten darin überein, dass für eine wirksame Bekämpfungsstrategie in 2007 für die gesamte Rapsanbaufläche zwei breit zugelassene resistenzbrechende Insektizide und darüber hinaus bei Starkbefall ein bis zwei weitere Insektizide über eine § 11.2-Zulassung (“Gefahr in Verzug”) zusätzlich zur Verfügung stehen müssen.
Von Seiten der anwesenden Pflanzenschutzmittelindustrien wurde Unterstützung für die Bekämpfungsstrategie dahingehend signalisiert, bei erfolgter Zulassung bzw. Genehmigung die entsprechenden Pflanzenschutzmittel bereits ab Anfang 2007 in ausreichender Menge für den Markt zur Verfügung stellen zu können. Hinsichtlich der Zulassungssituation signalisierte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), die vorliegenden Mitteldossiers im Rahmen der Zulassungsprüfung bereits mit Hochdruck zu bearbeiten.
Dem Vernehmen nach dürften also für die Saison 2007 – so das Resümee der UFOP aus dem Fachgespräch – auch im Falle eines mit 2006 vergleichbaren Massenauftretens von Rapsglanzkäfern für die deutschen Ölsaatenerzeuger in ausreichendem Umfang wirksame, resistenzbrechende Insektizide verfügbar sein.