Der Asphalt auf deutschen Straßen besteht für gewöhnlich hauptsächlich aus Kies oder Splitten, Sand und Gesteinsmehl sowie aus etwa vier bis sechs Prozent Bitumen, hergestellt aus Erdöl. Da die Straßen einem erheblichen Verschleiß durch Verkehrsbelastung und Bewitterung unterliegen, müssen sie systematisch instand gehalten werden. Für diese Sanierungsarbeiten am Straßenbelag lässt sich der Bitumen-Anteil reduzieren. Es wurde ein Asphalt entwickelt, in dem statt des üblichen Erdöls Rapsöl enthalten ist. Nicht nur Bitumen, sondern auch ein Teil des Lösungsmittels kann durch Rapsöl ersetzt werden. So enthalten die neuen Produkte – je nach Sorte und Einsatzgebiet – zwischen 2 und 20 Prozent Rapsöl.
Das macht den neuartigen Belag nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch widerstandsfähiger als herkömmlichen Asphalt. Er vermindert durch seine raue Oberfläche die Rutschgefahr und erreicht eine viermal höhere Festigkeit. Zudem zeichnet sich Rapsasphalt durch eine frühere Verkehrsfestigkeit, geringerer Neigung zum Überfetten und besseres Alterungsverhalten aus, denn der Rapsölanteil bewirkt durch seine Fähigkeit zur Verharzung eine allmähliche Festigkeitszunahme des Bindemittels. Im Gegensatz zu mineralischen Belägen hat der Rapsasphalt bessere Abriebeigenschaften und ein besseres Verhalten bei hohen Temperaturen. Der Abrieb des Asphalts ist zudem umweltfreundlicher und leichter abbaubar.
Ein weiterer sehr wichtiger Aspekt ist, dass durch die Reduktion der Emissionen, die beim Auftragen des Asphalts frei werden und ein starkes Gesundheitsrisiko darstellen, die Gefährdung der Arbeiter wesentlich verringert wird. Außerdem wird durch das Öl die Emulsion weniger wetterabhängig und dadurch verlängert sich die Bausaison um einige Wochen. Der maximal um fünf Prozent höhere Preis des Rapsöl-Belags kompensiert sich durch den sparsameren Verbrauch beim Verlegen und die längere Haltbarkeit.
Das Straßennetz Süddeutschlands beispielsweise, weist eine Länge von ca. 200.000 km auf. Etwa 130.000 km davon sind ländliche Wege und Gemeindestraßen. Dieses kommunale Straßennetz mit einer Fläche von 640 Millionen Quadratmeter verbraucht – legt man eine systematische Erhaltungsmaßnahme in Form einer Oberflächenbehandlung alle 10 Jahre zugrunde – wenn man als Bindemittel Rapsasphalt einsetzt, eine Rapsölmenge, die einer Anbaufläche von 6.000 Hektar jährlich entspricht.