Perspektivforum 2017 - UFOP fordert mehr Mittel für die Klimagasforschung

Berlin, 21. September 2017. Mit einem Appell an die neue Bundesregierung, mehr Forschungsmittel für die Klimagas- und Pflanzenbauforschung bereitzustellen, führte der Vorsitzende der Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (UFOP), Wolfgang Vogel, in das UFOP-Perspektivforum ein, das am 19. September 2017 in Leipzig stattgefunden hat. Vogel bekräftigte vor über 100 Teilnehmern die herausragende Position des Rapsanbaus und seine vielfältigen Verwertungsmöglichkeiten. Notwendig sei eine sachgerechte Anpassung der Treibhausgas-Bilanzierungsmethodik.

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Vogel erinnerte an die von UFOP geförderten Projektvorhaben und unterstrich die Bereitschaft der Landwirtschaft, die Herausforderungen anzunehmen, insbesondere zum Thema Stickstoff. Mit Blick auf die Überschüsse an den Agrarmärkten und einer an den Tatsachen vorbei geführte „Tank-Teller-Diskussion“ hinterfragte der Vorsitzende, wie der notwendige technische Fortschritt in den Marktfruchtbaubetrieben eingeführt werden solle, wenn der Brotgetreidepreis seit mehreren Ernten unter dessen Brennwert – gemessen am Heizölpreis – liege. Vogel begrüßte die Empfehlung des Bioökonomierates für eine nachhaltige Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion. Stabil hohe Erträge seien die Grundlage, Stickstoff bei möglichst hoher Effizienz in Erträgen zu binden und seien damit der beste Klimaschutzbeitrag.

Dr. Niendieker vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) stellte zu Beginn des Forums den Standpunkt des Hauses zur nationalen Treibhausgas-Minderungspflicht und zur Neufassung der Erneuerbare Energien-Richtlinie (RED II) vor. Das BMEL spreche sich gegen eine Absenkung der Kappungsgrenze für Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse aus, sowohl im Rahmen der deutschen Biokraftstoffpolitik, als auch auf EU-Ebene, lautete die zentrale Botschaft. Er erläuterte den besonderen Klimaschutzbeitrag der Biomasse in den verschiedenen Bereichen des Energiesektors. Bei der Verstromung werde der relative Anteil zwar abnehmen müssen. Gerade im Verkehrssektor müssten die Biokraftstoffe aber in ihrer Vielfalt einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Dabei verwies er auf die Sektorziele im Klimaschutzplan 2050, die schon 2030 erfüllt werden müssten.

Die Erfolgsstory der europäischen Biokraftstoffpolitik spiegele sich in den im EU-Recht verankerten und global umzusetzenden Nachhaltigkeitsanforderungen wieder, betonte Dr. Henke von meo carbon solutions. Dank der Förderung durch das BMEL habe mit ISCC ein heute in über 100 Ländern tätiges Zertifizierungssystem mit über 600 qualifizierten Auditoren entwickelt werden können. Auch die satellitengestützte Überwachung sei heute problemlos möglich, um direkte Landnutzungsänderungen verursacherbezogen nachweisen zu können. Auch per Satellit bleibe der Nachweis einer Ursache-Wirkungsbeziehung von Biokraftstoff-Förderung und indirekten Landnutzungsänderungen aber eine Utopie, betonte Dr. Henke.

Als Ergebnis des von der Bayerischen Landesregierung geförderten Vorhabens ExpRessBio zeigte Dr. Remmele vom Technologie- und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe in Straubing Optionen für eine sachgerechte Erweiterung der Treibhausgas-Bilanzierung auf. Dabei werden vor allem der Substitutionswert von Rapsschrot und der hohe Vorfruchtwert des Rapses in Fruchtfolgesysteme berücksichtigt. Die heute geltende Erneuerbare Energien-Richtlinie sehe bereits vor, dass diese Faktoren für eine politische Überprüfung zu berücksichtigen seien. Hiervon habe die EU-Kommission aber bei der Neufassung der Richtlinie keinen Gebrauch gemacht, so seine Kritik.

Die Stickstoffdüngung und der Anpassungsbedarf infolge der Düngeverordnung prägten die Diskussion im zweiten Teil des Forums. Auf die landwirtschaftlichen Betriebe kommen durch die Regelungen der zukünftigen Stoffstrombilanzverordnung umfassende Aufzeichnungspflichten zu, erläuterte Frau Dr. Schultheiß vom BMEL. Herausforderungen bestehen besonders für Betriebe, die den organischen Dünger aus der Tierhaltung und Biogasanlagen unter diesen Restriktionen lagern bzw. verwerten müssen. Was dies für die Beratung und auch für die Düngemittelindustrie bedeutet, erläuterten Dr. Wodsak, YARA GmbH & Co KG und Dr. Baumgärtel, Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Auch die Fruchtfolgegestaltung und hier besonders die Position des Rapses werden sich infolge der Düngeverordnung ändern. Die N-Bedarfsermittlung und die Einhaltung der Ausbringungsobergrenze von 170 kg N je Hektar sowie des Kontrollwertes von 50 kg N je Hektar (ab 2020 im dreijährigen Mittel) führen regional zu einer Erweiterung der Fruchtfolgesysteme mit Raps. Prof. Mohr, Fachhochschule Kiel, stellte hierzu die Ergebnisse der von UFOP geförderten Studie vor, in der besonders die Wirtschaftlichkeit regionaltypischer Fruchtfolgesysteme untersucht wurde.

Ebenso erstmals öffentlich vorgestellt wurden die Ergebnisse des von BMEL und UFOP geförderten Verbundvorhabens zur „Treibhausgas-Optimierung von Fruchtfolgesystemen mit Raps“. Prof. Flessa, zuständiger Projektleiter am Thünen-Institut, erläuterte den hohen Aufwand für umfangreiche Lachgasmessungen auf dem Acker an fünf Standorten in Deutschland. Über vier Jahre wurden diese Emissionen in einer Fruchtfolge mit Raps erfasst. Dabei wurde festgestellt, dass der bisher für die als Lachgas emittierte gedüngte Stickstoffmenge verwendete offizielle Faktor viel zu hoch ist. Die Ergebnisse weisen für nordeuropäische Klima- und Bodenverhältnisse einen weit geringeren Faktor aus. Prof. Dr. Flessa verwies auf analoge Ergebnisse von Untersuchungen in Frankreich und Großbritannien. Die Ergebnisse sind von großer Bedeutung, weil sie nicht nur die Treibhausgasbilanzierung von Biodiesel aus Raps betreffen, sondern den Ackerbau und damit die Landwirtschaft als Sektor insgesamt. Die UFOP erwartet, dass sich das BMEL im Rahmen der Neufassung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie für die Anpassung des Emissionsfaktors gegenüber der EU-Kommission einsetzen wird.


Die Vorträge des UFOP-Perspektivforums stehen unter 
www.ufop.de/perspektivforum-2017
 zur Verfügung.

Auf dem Foto v.l.n.r.: Prof. Dr. Henning Kage, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Leiter Abteilung Acker- und Pflanzenbau; Dr. Jan Henke, Direktor Meo Carbon Solution GmbH; Dr. Edgar Remmele, Technologie- und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe (TFZ)