Rapsfruchtfolgen mit der neuen Düngeverordnung

Autoren:


Katharina Jerchel und Dr. Reimer Mohr
Hanse Agro Unternehmensberatung GmbH Hannover

 

Erstauflage 2017

 

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Einleitung

 

Zahlreiche rechtliche Vorgaben, Einschränkungen und Verbote einerseits sowie klimatische und agronomische Entwicklungen andererseits verändern die Anbauwürdigkeit der Ackerfrüchte. In einem von der UFOP geförderten Projekt wurde die Wettbewerbsfähigkeit von Raps-Fruchtfolgen untersucht. Vor dem Hintergrund der neuen Düngeverordnung (DüV) wurden zudem N- und P-Salden, Gülle-„Kapazitäten“ und Treibhausgasemissionswerte des Rapsanbaus herausgearbeitet.

 

Methode

Die Studie hatte eine deutschlandweite Betrachtung zum Ziel und hat dafür zwischen neun verschiedenen Regionen unterschieden: Gute Standorte Schleswig-Holstein, Gute Standorte Mecklenburg-Vorpommern, Leichte Standorte Ostdeutschland, Grenzstandorte Ostdeutschland, Gute Standorte Ostdeutschland, Gute Standorte Westdeutschland, Mittelgebirge/ Übergangslagen, Nordöstliches Niedersachsen und Gute Standorte Süddeutschland.

Die Wettbewerbsfähigkeit wurde anhand der Grundrenten der Fruchtfolgen dargestellt. In den Kalkulationen wurden neben dem Ertrag insbesondere Düngung, Pflanzenschutz und Bodenbearbeitung an die jeweilige Rotation angepasst. Die N-Düngemenge wurde entsprechend der Bedarfsberechnung nach neuer DüV festgelegt, wobei für jede Fruchtfolge zwei Varianten betrachtet wurden: rein mineralische Düngung und mineralisch-organische Düngung.

Für den Vergleich der Wirtschaftlichkeit wurde die rein mineralische Düngungsvariante zugrunde gelegt, wobei bei der Produktion von Silomais zur Biogaserzeugung ein Rückfluss von Biogasgülle berücksichtigt wurde. P- und K-Kosten wurden entsprechend der Entzüge zugeordnet. Die Preise der Erntefrüchte wurden über Preisrelationen modelliert, wobei der Weizenpreis als Eckpreis verwendet wurde, da langfristig wiederkehrende Preisbeziehungen zwischen Getreide, Ölfrüchten, Silagen und nach dem Ende der Quotenregelung auch für den Zuckermarkt zu beobachten sind. Für die Ermittlung der Treibhausgasemissionswerte wurde der Rechner „ENZO2“ verwendet.

 

Studienergebnisse am Beispiel Gute Standorte Ostdeutschland

Standortbedingungen

• Böden mit guter Wasserspeicherfähigkeit

• Ertragsbegrenzungen durch wenig Niederschlag und Hitze möglich

• Verschiedenenorts Nähe zu Zuckerrübenfabriken

• Anbauversuche mit Sojabohnen

 

Ergebnisse zur Wirtschaftlichkeit der Fruchtfolgen

• Die Ergebnisse der Kalkulationen zeigen, dass die vierfeldrigen Fruchtfolgen mit 50 % Weizen, 25 % Raps und 25 % Zuckerrübe oder 25 % Silomais vielfach die höchsten Grundrenten erzielen. Die Frühjahrskulturen Silomais und Zuckerrübe stärken durch ihre hohe Eigenrentabilität die Wirtschaftlichkeit ihrer Fruchtfolgen. Silomais erreicht mit 155 dt/ha TM im Vergleich zum Getreide (80 bis 90 dt/ha) sehr hohe Erträge. Das Ertragsverhältnis Weizen zu Silomais (TM) liegt damit bei 1:1,8. Darüber hinaus verbessert die Vierfeldrigkeit die Rapserträge.

• Das Grundrentenniveau der Raps-WW-WG-Fruchtfolge ist der Raps-WW-WW-Fruchtfolge leicht überlegen. Die Überlegenheit ist stark von der Ertragsdifferenz zwischen Wintergerste und Stoppelweizen sowie von der Preisdifferenz zwischen den beiden Früchten abhängig. Hier sind jeweils die Verhältnisse vor Ort zu prüfen.

• Die Ergebnisse zeigen einen wirtschaftlichen Vorteil für die traditionelle Raps-WW-WG-Fruchtfolge gegenüber der Soja-WW-KM-Fruchtfolge. Gründe sind Trocknungskosten des Körnermaises sowie die Sojabohnenerträge, die aufgrund der Jahreswitterung stark schwanken und damit regelmäßig unter ihrem Ertragspotenzial dreschen. In der Kalkulation wurde eine Preisgleichheit für Raps und Sojabohne unterstellt. Eine Änderung der Preisdifferenz um +/-10 €/t ändert die Grundrente um +/-10 €/ha.

• Sehr wettbewerbsfähig ist auch die Raps-WW-Erbsen-WWRaps- WW-WG-Fruchtfolge, die bei einem Erbsenertrag von 50 dt/ha den dreifeldrigen Raps-Wintergetreide-Fruchtfolgen überlegen ist. Die guten Erträge des Blattfruchtweizens fördern die Fruchtfolge. Auch bei 45 dt/ha ist die Erbsenfruchtfolge noch wettbewerbsfähig.

 

Grundrenten verschiedener Fruchtfolgen auf guten Standorten in Ostdeutschland bei unterschiedlichen Preisrelationen, €/ha

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N-Salden

Die N-Salden der Fruchtfolgen auf den guten Standorten Ostdeutschlands weisen teilweise negative Werte auf. Durch die sehr hohen Nmin-Werte ist die „bedarfsermittelte“ N-Düngung dort gering. Nach der vorgeschriebenen N-Bedarfskalkulation sind die Nmin-Werte im Bereich von 0 bis 90 cm vollständig vom N-Bedarf der Kultur abzuziehen. Bei Nmin-Werten von 60 bis 90 kg/ha fällt der ermittelte N-Düngebedarf der Kultur sehr niedrig aus. Durch die späte Verfügbarkeit des N-Pools im Boden besteht somit ein hohes Risiko, dass trotz „normalen“ Witterungsverlaufes das Ertragsziel nicht erreicht wird. Rein rechnerisch beträgt der N-Überschuss auf diesen Standorten zwischen -3 und 6 kg/ha. In der Praxis sind diese Werte allerdings kaum zu erreichen. In Einzeljahren kommt die N-Nachlieferung für Kulturen wie Winterraps und Wintergetreide zu spät. Die neue DüV stützt die Sommerkulturen Mais und Zuckerrübe, da diese einen zeitlich späteren N-Bedarf im Sommer haben.

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Gülle-„Kapazität“

Viel Gülle verwerten können Fruchtfolgen mit Zuckerrüben oder Silomais. Je höher der Anteil von Zwischenfrüchten, Winterraps und Wintergerste ist, desto mehr Gülle kann im Herbst ausgebracht werden. Mit dem Anbau von Leguminosen verringert sich die Fläche, auf der Gülle verwendet werden kann.

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Treibhausgasemissionswerte in kg CO2äq pro t Raps

Je höher der Ertrag und je höher das N-Nachlieferungspotenzial des Standortes (Absenkung der N-Düngung möglich), desto niedriger sind die Treibhausgasemissionen im Rapsanbau. Bei den guten Standorten Ostdeutschlands liegen die ermittelten Emissionswerte daher deutlich unter dem Standardwert von 665 kg CO2äq pro t Raps und auch unter dem NUTS- 2-Wert. Dagegen erreichen leichte Standorte mit niedrigem N-Nachlieferungspotenzial (Nmin) und niedrigem Ertrag höhere Emissionswerte. Sämtliche errechnete Werte, d. h. über alle Standorte und Fruchtfolgen hinweg, liegen unter dem Standardwert von 665 kg CO2äq pro t Raps. Die Emissionswerte hängen zudem davon ab, wie viel Grunddünger zu Raps ausgebracht wurde und mit wie viel Stickstoff aus der Nachlieferung aus organischer Düngung der Vorjahre gerechnet wird. Tabellen mit Grundrenten und N-Salden zu den anderen untersuchten Regionen Im Folgenden werden die Grundrenten und N-Salden, die für die anderen untersuchten Regionen errechnet wurden, dargestellt. Für eine Erläuterung der Tabellen und weitere Ergebnisse wird auf den Abschlussbericht zum Projektvorhaben verwiesen UFOP-Fruchtfolgen.

 

Gute Standorte Schleswig-Holstein

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Gute Standorte Mecklenburg-Vorpommern

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Leichte Standorte Ostdeutschland

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Grenzstandorte Ostdeutschland

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Gute Standorte Westdeutschland

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Mittelgebirge / Übergangslagen

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Nordöstliches Niedersachsen

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Gute Standorte Süddeutschland

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Zusammenfassung der Studienergebnisse

Die Fruchtfolgen werden deutschlandweit vielfältiger. Dabei wird die Konkurrenz für dreifeldrige Raps-Getreide-Fruchtfolgen auf vielen Standorten stärker. Besonders vierfeldrige Fruchtfolgen mit Raps-Weizen-Silomais oder Zuckerrüben-Weizen erzielten vielfach die höchsten Überschüsse.

Die Wirtschaftlichkeit des Silomaises hängt sehr stark von der regionalen Preisbildung ab. Durch den Rückgang der Zuckerrübenpreise gewinnt Raps bundesweit gesehen nur begrenzt Fläche dazu, da die Zuckerrübenerträge in den vergangenen Jahren durch den Zuchtfortschritt und veränderte Produktionsverfahren stark angestiegen sind.

Auch die siebenfeldrigen Fruchtfolgen mit Leguminosen können bei guten Leguminosenerträgen und einem Aufpreis von 20 €/t gegenüber Weizen den dreifeldrigen Raps-Getreide-Fruchtfolgen die Stirn bieten. Regional sind Leguminosen wie Erbsen und Ackerbohnen für die Produktion von heimischem Eiweiß gefragt. Weitere Faktoren für den Erfolg dieser Früchte sind die etwas höheren Rapserträge in weiteren Fruchtfolgen und der Effekt des Blattfruchtweizens im Vergleich zum Stoppelgetreide.

Siebenfeldrige Fruchtfolgen mit Körnerleguminosen verlieren durch das Einsatzverbot von Pflanzenschutzmitteln auf Greening-Flächen an Vorzüglichkeit. Sie bleiben auf vielen Standorten aber weiterhin wirtschaftlich attraktiv.

Die klassische dreifeldrige Fruchtfolge Raps-Getreide-Getreide bleibt auf den schwächeren und kühleren Standorten Nordostdeutschlands und in den Mittelgebirgslagen aufgrund der niedrigen Erträge für Körnerleguminosen und der klimatischen Begrenzung von Zuckerrübe, Körnermais und Sojabohne auch künftig die dominierende Fruchtfolge.

In den Kalkulationen wurde berücksichtigt, dass Wintergerste durch das frühere Erntefenster und damit der Möglichkeit einer besseren und fristgerechteren Bodenbearbeitung die deutlich bessere Vorfrucht für den Raps als Stoppelweizen ist. In Abhängigkeit der Region wurde der Rapsertrag nach Gerste um 1 – 2 dt/ha erhöht. Sie gleicht damit auf vielen Standorten ihren Preisnachteil gegenüber Weizen aus.

Die neue Düngeverordnung wird zu einem sparsameren Umgang mit dem Nährstoff Stickstoff und damit zu einem effizienteren Einsatz führen. Raps bietet in zweierlei Hinsicht Vorteile im Anbau. Zum einen kann der Stickstoffeinsatz beim folgenden Getreide eingespart werden und zum anderen ist Raps eine der wenigen Früchte, die im Herbst mit Stickstoff gedüngt werden dürfen.

Die Berechnung der CO2-Emissionswerte hat gezeigt, dass alle Regionen unterhalb des RED-Standardwertes liegen, aber vielfach oberhalb der NUTS-2-Werte. Anzumerken ist, dass die aktuelle Berechnungsmethodik überarbeitet werden muss. Das von BMEL und UFOP geförderte Verbundvorhaben „Minderung von Treibhausgasemissionen im Rapsanbau“ bestätigt, dass der globale Emissionsfaktor des IPCC von 1 % Lachgasemissionen entsprechend der gedüngten Stickstoffmenge zu hoch liegt (https://www.thuenen.de/de/ institutsuebergreifende-projekte/minderung-von-treibhausgasemissionen- im-rapsanbau/) und stattdessen ein Faktor von 0,6 % bei der THG-Berechnung anzusetzen ist. Zu analogen Ergebnissen kommen wissenschaftliche Untersuchungen, die in Frankreich und Großbritannien durchgeführt wurden. Der Faktor 0,6 bildet damit die Denitrifizierung unter nordeuropäischen Klima- und Bodenbedingungen ab.

 

Der vollständige Projektbericht kann unter folgendem Link aufgerufen werden: UFOP-Fruchtfolgen