Bei der Bekämpfung des Rapsglanzkäfers und der Schotenschädlinge im Frühjahr 2022 Bienenschutz und Resistenzen berücksichtigen

Berlin, 31. März 2022 – Meldungen über die Ausweitung der Resistenz bei Rapsschädlingen gegenüber Insektiziden aus der Wirkstoffgruppe der Pyrethroide prägen seit langem die Diskussion im deutschen Rapsanbau. Ziele der für die Saison 2022 empfohlenen Insektizidstrategie sind die Eingrenzung der Resistenzentwicklung bei gleichzeitig hinreichendem Bekämpfungserfolg.
 
Für die Rapsglanzkäferbekämpfung im Frühjahr 2022 stehen Insektizide aus unterschiedlichen Wirkstoffgruppen zur Verfügung, die nur gemäß der Zulassung einzusetzen sind. Dabei muss vor allem folgendes beachtet werden: 

  •  die unbedingte Einhaltung des aktualisierten Bekämpfungsrichtwertes als wichtigstem Baustein einer Resistenzstrategie – erst ab > 10 Käfer/Haupttrieb wird eine Behandlung bis Blühbeginn empfohlen,
  • die ausschließliche Nutzung adäquater Spritztechnologie mit genügend Wasseraufwand und voller Aufwandmengen
  • die strikte Berücksichtigung des Bienenschutzes unter Beachtung der verbindlichen B-Auflagen,

  • bei Tankmischungen mit Additiven und/oder Fungiziden kurz vor oder während der Blüte nur solche Mischungen einsetzen, die im Hinblick auf den Bienenschutz geprüft und sicher sind.

 
Wenn in den Rapsbeständen erste blühende Pflanzen – auch Unkräuter – vorhanden sind, können Insektizide wie Avaunt oder Sindoxa mit dem Wirkstoff Indoxacarb (Aufbrauchfrist bis September 2022) aufgrund der B1-Einstufung nicht mehr eingesetzt werden. Bei im Feld vorhandenen Blüten stehen die Neonicotinoide Mospilan/Danjiri und Mavrik Vita/EVURE als Pyrethroide des Typs 1 zur Verfügung. Dabei ist zu beachten, dass mit Beginn der Rapsblüte das Schadpotenzial des Rapsglanzkäfers massiv zurückgeht. Bei den einzigen noch zugelassenen B4-Neonikotinoiden mit dem Wirkstoff Acetamiprid ist vom BVL am 12.03.2021 der Einsatzzeitraum auf BBCH 59 des Winterrapses – erste Blütenblätter sichtbar, Blüten noch geschlossen – begrenzt worden. Erste Resistenzen auch gegen diese Wirkstoffgruppe sind beim Rapsglanzkäfer bereits nachgewiesen.
 
Für die Bekämpfung der Schotenschädlinge sind nur noch Pyrethroide zugelassen. Wegen der Resistenz beim Kohlschotenrüssler sollte sich die Behandlung an der Kohlschotenmücke festmachen, wobei auf das Auftreten von Kohlschotenrüsslern zu achten ist. Falls eine Insektizidspritzung notwendig sein sollte, ist diese unabhängig von einer Sklerotiniabekämpfung am Termin des Mückenzuflugs auszurichten, wobei i.d.R. eine Randbehandlung reicht. Zur Schonung von Schlupfwespen in den Rapsbeständen sollte das nützlingsschonendere Mavrik Vita eingesetzt werden.
 
Weitere Informationen zur verfügbaren Mittelpalette sowie der Bekämpfungs-strategie 2022 erhalten Sie in der Anti-Resistenzstrategie bei wichtigen tierischen Schaderregern in Raps auf der Homepage des Julius-Kühn-Institutes.
 
Insbesondere wenn ein B1-Insektizid zur Anwendung kommt, ist das Anwendungsverbot strengstens zu beachten, sobald eine Pflanze im Bestand 
– auch eine Unkrautpflanze – blüht.
 
Die UFOP weist auf die Einhaltung der NN410-Auflage hin und empfiehlt die Ausbringung von nicht bienengefährlich eingestuften B4-Mitteln in den Abendstunden nach 19.00 Uhr, wenn sich die Bienenflugaktivität i.d.R. verringert hat.