Brief an das EP: Nachhaltige Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse müssen Teil des Europäischen „Green Deal“ sein

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Berlin, 07. Februar 2020. Der Europäische Ackerbau benötige dringend verlässliche Absatzalternativen zur Stabilisierung landwirtschaftlicher Einkommen. Dies sei eines der Kernanliegen, das die Landwirte in der Europäischen Union derzeit auf die Straßen treibe. Der von der EU-Kommission angekündigte „Green Deal“ könne und müsse hier die erforderlichen „Impulse“ setzen. Nachhaltige Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse müssten Teil einer Gesamtstrategie zur Dekarbonisierung der Landwirtschaft und des Verkehrssektors sein. Dies betont der Vorsitzende der Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e. V. (UFOP), Wolfgang Vogel, in einem Schreiben an die Mitglieder des Europäischen Parlamentes zur Vorstellung des „UFOP-Berichtes zur globalen Marktversorgung 2019/2020“.

Die UFOP habe den Bericht vor einigen Jahren konzipiert, um der immer wieder aufkommenden – meist emotional geführten –Diskussion um „Tank oder Teller“ Daten und Fakten entgegenzusetzen. Die im Bericht wiedergegebenen Daten lieferten ein eindeutiges Ergebnis: Auch unter Berücksichtigung des Mengenbedarfs für die Biokraftstoffproduktion seien weltweit ausreichende Mengen verfügbar, um dem Hunger zu begegnen. Dem Einsatz von Raps, Getreide, Zuckerrüben etc. als Rohstoffe für die Biokraftstoffproduktion stehe also nichts im Wege, so der UFOP-Vorsitzende. Im Gegenteil: dies sei ein bedeutender Absatzweg und trage erheblich zur Stabilisierung der wirtschaftlichen Einkommen bei.

Kraftstoffen aus Reststoffen wie z.B. Getreidestroh mit gesonderten Quotenverpflichtungen den Marktzugang zu erzwingen, sei keine Option. Dieser Kohlenstoff gehöre in den Boden für die Humusbildung als Beitrag zur Bodenverbesserung und zum Klimaschutz. Die EU müsse stattdessen die globalen Marktüberschüsse in den Blick nehmen als Ursache für den zunehmenden Preis- und Einkommensdruck. Einerseits stiegen die Auflagen für Düngung und Pflanzenschutz; andererseits solle sich der europäische Ackerbau dem Wettbewerb mit Großbetrieben in Nord- und Südamerika stellen. Verlierer dieser „Marktpolitik“ seien auch die Landwirte in den Entwicklungsländern, denn auch diese benötigten angemessene Erzeugerpreise, betonte Vogel.

Die Regierungen in Indonesien, Argentinien, Brasilien und in den USA stützten ihre Erzeuger mit höheren Beimischungsquoten für Biokraftstoffe. Zudem drängten diese Länder auf den EU-Markt. Die indonesische Regierung habe angekündigt, das in der EU ab Anfang 2024 beginnende Auslaufen der Anrechnung von Biokraftstoffen aus Palmöl noch zu verhindern. Die Europäische Kommission könne in den kommenden Monaten unter Beweis stellen, wie wichtig ihr die nachhaltige Produktion landwirtschaftlicher Rohstoffe in Europa sei.

Die UFOP fordere eine sachgerechte und nachhaltig ausgerichtete Biokraftstoffstrategie. Die „Tank oder Teller“-Diskussion führe in die Sackgasse, denn diese müsse dann konsequent bei allen Anwendungsoptionen von Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen geführt werden. Dann wären nicht nur Biokraftstoffe, sondern ein Großteil der Bioökonomiestrategie „tot“. Die UFOP sehe einen Lösungsansatz mit der von der EU-Kommission angekündigten vorzeitigen Revision der RED II. So müssten die Systemgrenzen für die Treibhausgasbilanzierung überdacht und auch bei der stofflichen Nutzung angewendet werden. Vogel führt das Beispiel Rapsschrot an. Dieses gentechnikfreie Proteinfuttermittel müssen bei der Treibhausgas-Bilanzierung mit seinen Substitutionseffekten angerechnet werden. Denn der Anbau von Raps zur Verwendung in Biokraftstoffen verringere mit der Lieferung des Koppelprodukts Eiweißfutter den entsprechenden Importbedarf von Soja den Flächenbedarf in anderen Regionen. Die EU-Anbaufläche sei ohnehin durch Fruchtfolgerestriktionen und ordnungsrechtliche Umweltmaßnahmen beschränkt. So gesehen reguliere sich der Anbauumfang selbst.

Den UFOP-Bericht können Sie hier als PDF downloaden: Link