Saattermin bei Körnerleguminosen

Leguminosen erreichen als Langtagspflanzen bei früher Saat erfahrungsgemäß die höchsten Erträge. Die Temperatur und die Tageslänge haben einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung der Pflanzen. Spätsaaten führen zur Verstärkung der vegetativen Entwicklung und verstärken die Lagerneigung. Die Keimung erfolgt bereits bei Bodentemperaturen ab 1 bis 2 °C. Wärmere Bodenbedingungen beschleunigen den Aufgang. Auftretende Spätfröste werden meist ohne Schäden vertragen. Insgesamt führen eine kühle Keim- und Auflaufphase zu einer Verfrühung der Blüte. Die Anlage von Blüten wird durch längere Tage gefördert und durch kürzere gehemmt. Außerdem führen eine frühe Blüte und Hülsenentwicklung dazu, dass die Pflanzen in dieser empfindlichen Zeit weniger dem hochsommerlichen Trockenstress ausgesetzt sind. Während der vegetativen Entwicklung und zur Kornfüllungsphase sind niedrige Temperaturen ertragsphysiologisch günstig.

Im Rahmen eines EU-Projektes zum Körnerleguminosenanbau in Europa (GL-Pro) bestand die Möglichkeit auch anbautechnische Untersuchungen durchzuführen. Am Standort Zehdenick wurde der Einfluss des Saattermines auf die Ertragsleistung bei Körnererbsen und Blauen Lupinen in den Jahren 2004 und 2005 ermittelt. Die Versuchsdurchführung erfolgte auf einem anlehmigen Sandboden der Ackerzahl 30. Die Niederschläge waren in beiden Jahren zur Kornfüllungsphase weitgehend ausreichend, die Temperaturen im Vergleich zum langjährigen Mittel etwas niedriger. Im Parzellenversuch wurden die Saattermine Mitte März, Anfang April und Mitte April im Vergleich geprüft. Im Jahr 2004 konnten diese geplanten Termine eingehalten werden. Die schwierigen und nassen Bodenbedingungen 2005 erforderten den ersten Saattermin in die dritte Märzdekade zu verschieben. Wie in der Abbildung 1 zu verfolgen ist, wirkte sich der Einfluss des Saattermines bei den Körnererbsen (Sorte Hardy) in den beiden Jahren gegenläufig aus. Im ertragsstarken Jahr 2004 waren die Wachstumsbedingungen so günstig, dass der Einfluss des Saattermines mehr als ausgeglichen wurde. Sogar die Erhöhung der Saatmenge von 70 auf 80 keimfähige Körner je mÇ brachte 2004 bei allen Terminen keine Mehrerträge. Im Versuchsjahr 2005 wurde trotz der schwierigen Aussaatbedingungen zum ersten Termin am 24. März der höchste Ertrag mit 48 dt/ha erreicht. Die Folgesaaten am 4. und 15. April erreichten im Verhältnis nur 71 und 60 % des Kornertrages. Die Erhöhung der Aussaatstärke zum Aussaattermin Mitte April führte zu keinem Mehrertrag. Das heißt, bei Spätsaat konnte durch einen erhöhten Saatguteinsatz der verminderte Kornertrag nicht ausgeglichen werden.

Auch die Blauen Lupinen (Sorte Bora) reagierten auf den Spätsaattermin Mitte April im Mittel beider Jahre mit einem Ertragsabfall. Die Ertragseinbuße betrug 2,2 dt/ha. Das entspricht einem Relativertrag von 92 % (Abb. 2). Sorten des Verzweigungstypes, zu dem Bora gehört, sind allgemein weniger spätsaatverträglich als Sorten des endständigen Wuchstypes (z.B. Boruta, Sonet). Wie auch bei den Erbsen konnte die Erhöhung der Saatmenge, bei den Blauen Lupinen von 100 auf 120 Körner je mÇ, zum Saattermin Mitte April die Ertragseinbuße im Vergleich zu den Saaten Mitte März und Anfang April nicht ausgleichen. Körnererbsen und Lupinen danken eine frühe Saat. Saattermine von Mitte März bis Anfang April sind zu empfehlen.

 
Abb. 1:            Einfluss des Saattermins auf den Kornertrag von Körnererbsen

Koernererbse.jpg

a, b, c – signifikante Mittelwertsdifferenz bei unterschiedlichen Buchstaben für a = 5 %

Abb. 2: Einfluss des Saattermins auf den Kornertrag von Blauen Lupinen

Blaue_Lupine.jpg
a, b, c – signifikante Mittelwertsdifferenz bei unterschiedlichen Buchstaben für a = 5 %

B. Dittmann