Informationen zu Ölsaaten-, Pflanzenöl- und Ölschrotpreisen

Kommentar:

26.11.2020 (AMI) – Die Rapsernte 2020 ist weitegehend vermarktet. Viele Erzeuger haben die festen Preise genutzt, um größere Partien abzugeben und halten nun nur noch Restmengen in Spekulation auf weitere Preissteigerungen zurück. Eigentlich ist es verwunderlich, dass Anbieter die deutlichen Preissteigerungen bereits so umfangreich für den Verkauf genutzt haben, normalerweise halten Anbieter in einem Markt mit steigenden Preisen die Füße so lange still, bis erste Rückgänge eine mögliche Schwächephase ankündigen, um dann noch zügig auf hohem Preisniveau umfangreich zu vermarkten. Doch was ist in diesen Zeiten schon normal? Corona-Pandemie und Afrikanische Schweinepest verunsichern die Marktteilnehmer, die sich deshalb lieber früher als später von ihrer Ware trennen, deshalb die Preissteigerungen nutzten und sich wenig spekulationsfreudig zeigen. Zu präsent ist da auch die Erinnerung an die Saison 2019/20, als die Preise plötzlich und deutlich im ersten Quartal 2020 verfielen, schneller als mancher reagieren und die Ware noch rechtzeitig abstoßen konnte.
Die Preissteigerungen der vergangenen Woche haben nicht nur die Abgabe von Raps der Ernte 2020 aus Erzeugerhand mobilisiert, sondern auch bereits umfangreicher das Kontraktgeschäft ex Ernte 2021 in Gang gebracht.
Grund für den anhaltenden Preisauftrieb am deutschen Rapskassamarkt dürften die auf Wochensicht befestigten Terminkurse sein, aber auch Meldungen, wonach die Rapseinfuhren der EU und Deutschlands an Tempo verloren haben sollen. Das könnte vor allem mit der Ukraine zusammenhängen, deren Exportmarkt mittlerweile ziemlich leergefegt sein dürfte.
Die Rapserzeugerpreise erreichten zuletzt ein Niveau von 387,80 EUR/t im Bundesdurchschnitt, womit die Vorwoche um 3,60 EUR/t übertroffen wird. Die Vorkontraktpreise haben sich um 1,60 EUR/t auf
378,90 EUR/t befestigt.

Am Rapsschrotmarkt ist das Kaufinteresse mindestens stetig, wenn auch nicht mehr so lebhaft wie in den Vorwochen. Der Fokus liegt auf Ware zur Lieferung im November/Dezember 2020. Termine im neuen Jahr finden weniger Interessenten. Besprochen werden diese Termine zwar, doch Geschäftsabschlüsse kommen seltener zustande. Auch ex Rapsernte 2021 ruht das Geschäft zumeist noch. Mit einer Belebung der kurzfristigen Nachfrage nach Rapsschrot rechnen Marktbeobachter kurz vor Beginn der Weihnachtsfeiertage. Neben der mindestens stetigen Nachfrage stützt das auf den vorderen Positionen begrenzte Angebot bzw. die wenigen Offerten seitens der Ölmühlen.
Von den festen Terminkursen profitieren die Sojaschrotpreise, die ihr hohes Vorwochenniveau knapp behaupten können. Die Trockenheit in weiten Teilen Südamerikas bringt nach wie vor Kursunterstützung.
 
Soja- und Rapsöl haben sich in der Berichtswoche deutlich verteuert. Sojaöl legte den größten Preissprung hin: auf Wochensicht steht ein Plus von 85 auf 905 EUR/t fob Hamburg. Damit übersteigt das aktuelle Preisniveau den Vormonatsstand zudem um etwa 145 EUR/t und entspricht dem höchsten Stand seit Januar 2013. Unterstützt werden die Sojaölpreise von der nach wie vor lebhaften Nachfrage aus China. Zudem geben die Sojaölkurse in Chicago Auftrieb. Diese haben im Vorwochenvergleich um umgerechnet rund 17 auf 714 EUR/t zugelegt.
Die Rapsölpreise sind um 50 auf 960 EUR/t gestiegen. Das entspricht einem Plus von 170 EUR/t zum Vormonat und dem höchsten Stand seit September 2012. Grund für den starken Preisauftrieb ist das knappe Angebot auf den vorderen Terminen. Dieser Effekt überträgt sich auch auf Ware zur Lieferung im kommenden Jahr. Zudem geben feste Raps-, Soja-, Roh- und Palmölnotierungen Auftrieb. Auch die allmählich anziehende Nachfrage nach Biodiesel aus Rapsöl, das eine höhere Kältestabilität als Biodiesel aus anderen Pflanzenölen besitzt und deshalb in den Wintermonaten beigemischt werden muss, treibt die Rapsölpreise nach oben.

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