Informationen zu Ölsaaten-, Pflanzenöl- und Ölschrotpreisen

Kommentar:

von Steffen Kemper, 05.07.2018 (AMI) – Nach wie vor sind Rapserzeuger in Deutschland so gut wie nicht bereit, Ware zu veräußern, weder aus der alten noch aus der neuen Ernte. Zu schlecht waren die ersten Druschergebnisse auf den leichten Böden im Norden. Mancherorts wurden wohl nicht einmal 20 dt/ha geborgen, Ertragseinbußen zwischen 25 und 40 % werden seit vergangener Woche diskutiert. Für die aktuelle Kalenderwoche sind nun, zumindest für den Norden der Republik, erste belastbare Ernteergebnisse in Aussicht gestellt und alle stellen sich die Frage, ob die Erträge tatsächliche so gering ausfallen werden, wie die ersten Druschergebnisse befürchten lassen. Aber, dass 2018 kein gutes Jahr für Raps in Deutschland wird, ist ohnehin bereits klar. Ernteeinbußen sind schon sicher, nur über deren Höhe wird noch spekuliert. Rapserzeuger finden vor diesem Hintergrund wenig Verkaufsanreize. Dafür bräuchte es Impulse: entweder von der Terminbörse in Paris oder von den hiesigen Ölmühlen. Diese haben ihre Prämien zuletzt zwar leicht angehoben, allerdings nur so geringfügig, dass sie den Rückgang der Rapsterminkurse auf Wochensicht damit nicht einmal auffangen konnten. Den Landwirten bleibt noch die Hoffnung, dass repräsentative Ernteergebnisse die Ölmühlen aus der Reserve locken oder wenigstens in Paris für Kursauftrieb sorgen. Dagegen spricht, dass die Ernteprognosen längst nicht überall schlecht sind.

In Deutschland und Frankreich ist zwar mit deutlichen Einbußen zu rechnen, ganz anders sieht es aber beispielsweise in der Ukraine aus. Dort ist die Rapsernte bereits zu 50 % eingebracht und bislang können die Erträge überzeugen: sie liegen immerhin 12 % über dem Vorjahr. Vor dem Hintergrund, dass die Ukraine bereits 2017/18 große Mengen Raps nach Deutschland lieferte, könnte das Land auch 2018/19 für die eine oder andere Partie gut sein. Ölmühlen in Deutschland könnten Versorgungslücken, wie bereits im Vorjahr, mit Importraps füllen, anstatt heimische Ware zu verwenden, befürchten Rapserzeuger. Doch noch ist nicht aller Tage Abend. Marktteilnehmer müssen auch China auf der Rechnung haben. Wegen des Handelskriegs mit den USA wird das Reich der Mitte seinen immensen Ölsaatenbedarf von anderen Herkünften beziehen müssen. Gut möglich, dass es sich dabei vor allem auf die Schwarzmeerregion konzentrieren wird. Hiesige Rapsanbieter müssen ihre Hoffnung auf preisliche Vorteile aus der Missernte also noch nicht über Bord werfen. Die Rapserzeugerpreise wurden zuletzt bei 340 EUR/t im Bundesdurchschnitt festgestellt, das sind immerhin schon 5 EUR/t mehr als in der Vorwoche.

Rapsschrot hat zum Wochenauftakt einen kräftigen Preissprung hingelegt. Auslöser war die deutlich höhere Nachfrage aus der Mischfutterindustrie. Auch andere Futterkomponenten sind gefragt und haben sich verteuert. Grund sind die geringen Erwartungen an die Getreide- und Ölsaatenernte in Deutschland und der EU-28, die eine knappere Marktversorgung im Wirtschaftsjahr 2018/19 nahelegen. Anbieter von Sojaschrot in Deutschland richten ihre Forderungen derzeit fast ausschließlich an den Kursen in Chicago aus. Dort zogen die Sojaschrotkurse zu Wochenbeginn zunächst deutlich an, um tags darauf fast ebenso deutlich wieder zu verlieren. Das Auf und Ab lässt Mischfutterhersteller abwarten. Gegenüber der Vorwoche haben sich die Preise letztlich kaum verändert. 49er Ware wird aktuell mit 357 EUR/t bewertet und damit 2 EUR/t unter Vorwochenniveau, 44er Ware mit 232 EUR/t indes 1 EUR/t höher.

Die internationalen Mineralölkurse schlossen zuletzt nahezu unverändert auf dem Niveau der Vorwoche und hatten daher keinen Effekt auf die EU-Pflanzenölpreise. Der auf Wochensicht festere Euro hat die Kaufkraft von EU-Importeuren gestärkt, aber auch das hat die Preise nicht bewegt. Marktteilnehmer beichten indes von etwas schwächerer Nachfrage aus der Biodieselindustrie nach Palm- und Sojaöl bzw. PME und SME. Die Saison für Sommerware neigt sich langsam dem Ende entgegen, sodass Biodieselhersteller im Einkauf bald wieder auf Winterware umstellen dürften. Andere glauben, dass es im September nochmal eine Kaufwelle für Sommerware geben könnte, was Palmöl- und Sojaöl dann noch einmal Preisauftrieb bringen könnte. Preiswirkung zeigten diese Spekulationen bisher allerdings nicht. Die Forderungen für Rapsöl wurden deutlich um 16 EUR/t auf 709 EUR/t fob Hamburg gekürzt. Die größte Bewegung hat es beim Sojaöl gegeben: die Preise sind sprunghaft um 45 EUR/t auf 720 EUR/t gestiegen.

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